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12 Minuten Borschtsch

("Um dieser Erzählung zu folgen, bedarf es Fantasie und viel Konzentration." der Autor)


1.
Unerwartete Finsternis und eine beklemmende Enge.
Eingesperrt zwischen zwei fest geschlossenen Händen, die keine Möglichkeit zur Flucht lassen.
Phobische Panik breitet sich in dir aus.
Überrennt jegliche Art von Mut, Kampfgeist oder Hoffnung.
Hinterlässt das Gefühl purer Angst, einem Herzschlag nah.

Du bemerkst mit letzter mentaler Kraft wie sich der Boden unter dir hin und her bewegt.
Zwischen einer Realitätsüberdosis und dem totalen Realitätsschwund versuchst du durch Adrenalin gepusht Sprünge, gegen eine Wand, verborgen in Dunkelheit, zu entkommen.
Du versuchst es immer und immer wieder.
Du willst nicht einsehen dass du nicht entkommen kannst.
Du willst nicht akzeptieren was bittere Realität ist.
Du willst nicht wahr haben, dass du verloren bist.

Kurz vor der physischen, sowie psychischen Erschöpfung, denkst du noch einmal daran wie kurz dein Leben bis her war.
Doch da öffnet sich eine der Hände, die andere schrägt an und du rutscht ins Ungewisse.

2.
Du rutscht bis zur Kante der Handfläche.
Kurz darauf - Freier Fall
Du fällst nicht lange und landest auf etwas Festem.
Etwas Blauem.
Du hast wieder festen Boden unter den Füßen.
Dein Bewusstsein kehrt ins Diesseits zurück.
Genau wie deine Energie und Willenskraft.
Du weißt nicht wirklich wo du dich befindest,
nur das du so eine Umgebung noch nie gesehen hast.
So bald du wieder einigermaßen fit bist,
versuchst du wieder die Freiheit zu erlangen.
Du kletterst einen Hang hinauf, der nach oben hin immer steiler wird. Ab einem bestimmten Punkt ist aus dem Hang eine Wand, an der du nicht hoch kommst, geworden.
Du bewegst dich zurück, zu dem Punkt der dir am geradesten erscheint,
und ruhst einen kurzen Augenblick aus.

Du überlegst dir, das wenn auf der einen Seite eine unüberwindliche Wand ist, dass auf der anderen Seite die Freiheit liegen könnte.
Du sammelst Kraft und versuchst es nochmals.
Doch es ist wie ein Deja-vu für dich.
Wieder ein Hang, der immer steiler wird.
Und auch wieder eine Wand die dir unüberwindlich scheint.

Wäre es dir vergönnt dich aus einer anderen Perspektive zu sehn, würdest du sehn wie nah du bereits der Freiheit warst, bevor du aufgabst.

3.
Demoralisiert sitzt du im der blauen Grube.
Schon wieder kein Entkommen möglich.
Eine Zeit lang passiert nichts und du bewegst dich ein wenig umher
um dir die Zeit zu vertreiben.
Anscheinend bringt das was, wenn auch nichts Positives.
Du siehst wie eine Hand auf dich zu kommt und versuchst ihr zu entkommen.
Du kannst zwar ausweichen und immer wieder entkommen, aber für wie lange.
So wies aussieht nicht sehr lange.
Die Hand packt dich.
Wieder Dunkelheit. Wieder beklemmende Enge.
Doch da ein Licht in mitten der Finsternis.
Du bewegst darauf zu.
Es scheint ein kleiner Tunnel zu sein.
Nicht viel größer als du selbst.
Aber zumindest ist dort Licht.
Du kriechst auf allen Vieren in den Tunnel, dessen Ende plötzlich eine starke Anziehung auf dich auswirkt und dich in die Tiefe zieht.
Der Tunnel scheint, während deinem Sturz, breiter zu werden.
Zum Glück dauert dieser Sturz auch nicht solange
und du landest mit rasendem Herzen auf einem Blatt.
Dir ist egal dass du auf einem Blatt sitzt
und auch egal das du von mehreren Augen angestarrt wirst,
da du schon wieder fällst.
Diesmal durch dichtes Blattwerk und du landest auf etwas Weichem.
Etwas Nassem.
Du landest in einem kleinen Sumpf, aber anscheinend trügt der Schein.

4.
Die neue Umgebung lässt einen Großteil deiner Ruhe und Gelassenheit zurückkehren.
Du erhältst einen Stärkebonus von +5.
Aufgrund dieses statistischem Power-ups fühlst du dich in der Lage,
die nähere Umgebung zu erkunden. Du kommst allerdings nicht weit, denn schon nachwenigen Schritten knallst du mit dem Gesicht gegen eine unsichtbare Wand.Du drehst dich um und gehst wieder ein paar Schritte und du stehst wieder vor einer Wand.
Du erkennst- wieder keine Fluchtmöglichkeit!
Entmutigt sitzt du, zwischen einem Blatt und einem Dreckhaufen, in einer kleinen Matschpfütze und hast keine Lust. Egal zu was.
Du weißt nicht wie lange du dort sitzt, aber was würde die Kenntnis darüber schon verändern.
Im Augenwinkel siehst du wie eine verkrüppelte Fliege sich zum Suizid vorbereitet. Sie kriecht zum Rand des Blattes auf dem sie sitzt, ringt kurz mit ihrem Gewissen, stürzt sich dann in die Tiefe, die allerdings nur knapp 3cm beträgt.
Das macht aber nichts aus da die Fliege in einer Pfütze landet. Somit stirbt sie zwar nicht durch den Sturz, sondern durch Ertrinken, aber was macht das schon aus.
Dein tierischer Instinkt versucht dir zusagen „Hingehen, Klappe auf, Fliege rein, Klappe zu und das Kauen nicht vergessen!“ Aber irgendwie hast du grad nicht so wirklich Hunger, also lässt du es sein.
Nach einer Weile wird dir das Ganze echt zu blöd und du fängst wieder an, dir die Zeit mit Herumkriechen zu vertreiben. Dass du voller Dreck bist ist dir wie so vieles in diesem Moment vollkommen egal, da die Pflanze die grade noch hinter dir war, plötzlich weg ist. Auf einmal verschwinden auch die anderen Pflanzen in deiner näheren Umgebung nach oben hinweg. Nach kurzer Zeit hast du freie Sicht nach oben, von wo wieder eine Hand kommt, und dich samt dem Boden in die Höhe hebt.

5.
Anscheinend ist kurzweilige Finsternis zu einem festen Bestandteil in deinem Leben geworden. Genauso wie kurz Stürze in nicht allzu tiefe Tiefen.
Du landest in einer Umgebung die dir bekannt vorkommt.
Bestehend aus grasig, steinigem Untergrund mit vereinzelten Blattbestückten Pflanzen und einem kleinen Tümpel, lässt diese Umgebung in dir Gefühle wach werden, die du alle in die Kategorie „Natur“ eingliederst.
Doch in einiger Entfernung siehst du Blau.
Du erkennst sofort das, dass was du da siehst, nicht der Horizont ist. Dieses Blau hast du schon einmal gesehen und es weckt keine warmen Heimatgefühle in dir.
Du bewegst dich ein wenig umher, einige Male auf die bereits bekannte blaue Mauer zu. Sie scheint kleiner zu sein als das letzte Mal. Du unternimmst diverse Versuche zu fliehen, aber immer scheitern sie.
Irgendwann resignierst du und findest dich mit deinem Schicksal ab. Du versuchst das Beste aus deinem ungewissen Aufenthalt zumachen, du gräbst dich in den Boden ein und wartest ab.
Du wirst ab und zu von etwas spitzem, metallischem gepiekst und die Pflanzen um dich herum verändern öfters ihre Standorte, was aber eigentlich egal ist, da es nur dazu dient um dir das versuchte Verstecken zu erschweren und dich besser sichtbar zumachen.
Irgendwann greift wieder eine Hand nach dir, aber hält dich nicht lange fest und setzt dich kurz darauf auf etwas weißem ab.

6.
Du denkst so bei dir, dass Dunkelheit und freier Fall vielleicht doch keine bestimmende Kraft in deinem Leben haben. Du weißt nicht ob du dich deswegen freuen solltest, denn etwas anderes scheint in deinem Leben ein viel größerer Bestandteil zu sein - der ständige Wechsel in neuartige Umgebungen, bestehend aus hartem, kalten unnatürlichem Plaste, die immer einen Rand besitzt, der zum Darüberklettern immer viel zu hoch ist.
In diesem Moment stellst du fest das dieser Rand gar nicht soo hoch ist, zumindest nicht so hoch wie die anderen. Du spürst neuen Mut und Kraft in dir aufkommen.
Du wagst einen Sprung auf die Wand zu.
Du knallst dagegen. Aber das hällt dich jetzt auch nicht mehr auf. Du willst endlich diesem Kreislauf von unnatürlichen und sich plötzlich ändernden Umgebungen entkommen und endlich wieder Freiheit fühlen.
Du bäumst dich auf, stemmst dich gegen die Wand. Du kannst über die Wand hinwegsehen.
Du nimmst alle Kraft zusammen und rollst dich über die Kante und bist frei.
Endlich Frei!

7.
Freiheit!
Das ist das was du für wenige Sekunden denkst, kurz bevor du realisierst das du nicht frei bist. Du bist genau vor einer Hand gelandet.
Mit einem Schlag ist jegliche Energie verdampft und Hoffnung zerbrochen.
Ist das dein Ende? Warum jetzt? Warum nicht am Anfang? Bevor diese physischen und psychische Strapaze beginnen konnte. Warum konnte das Ende nicht vor dem Anfang kommen? Warum stand der Tod nicht vor solchen Qualen? Und warum geht Gevatter Tod einfach wieder, ohne in irgendeiner Art und Weise, seine Arbeit auch nur begonnen zu haben?
Du weißt es nicht und es wird dir auch auf ewig ein Rätsel bleiben. Aber du weißt, weil du siehst wie sich die Hand entfernt, dass du doch noch alt werden darfst.
In diesem Moment wird dir klar, das es wirklich dein Glückstag sein muss, denn du sitzt auf einem Holztisch (wohl gemerkt, echtes Holz, kein kalte, unnatürliche Plaste) und nur wenige Zentimeter von der Tischkante entfernt.
Als du über die Kante schielst, siehst du den dir wohlbekannten Waldboden, den echten Waldboden, geflutet mit Nadeln der umstehenden Nadellaubgewächse, grünem Gras, kleine Zweigen und dem alles zugrunde liegende Erdboden.
Du setzt zu einem beherzten Sprung an.
Du springst, dich hällt nichts mehr auf.
Du revidierst deine Bemerkung, darüber das freier Fall nicht in dein Leben gehört.

8.
Mit diesem Sprung gelangte Borschtsch zurück in die Natur und somit in die Freiheit.
Nach diesem Erlebnis durfte er friedlich seinen Weg gehen. Er mied jedoch seitdem freiliegende Grünflächen.
Aber nur für die nächsten 2 Tage. Danach hatte er alles Geschehene vergessen.

Einen Tag darauf überquerte Borschtsch nachts um 23:22 Uhr eine, zu dieser Zeit stark befahrene, Schnellstraße. Dabei verlor er sein linkes Hinterbein, aber kam mit dem Leben davon.
Er wurde dennoch nicht sehr alt, da er auf der Gegenfahrbahn der selbigen Schnellstraße, noch am gleichen Abend überfahren wurde.

Nachwort

Lieber Leser, wenn du das hier liest hast du entweder vor geblättert oder die Geschichte gelesen wer immer du auch sein magst. Diese Geschichte entstand innerhalb einer verpfuschten Ferienwoche auf einem ruhigen und abgelegenen Campingplatz, in der weiteren Umgebung zu Chemnitz.
Sie ist nicht fiktiv. Sie erzählt von einer Begebenheit die meine Freunde und ich an einem der fünf Tage erlebten. Wir fanden auf einer nahen Wiese eine kleine Kröte, nicht viel größer als eine Handinnenfläche war. Nach kurzem Überlegen nannten wir sie Borschtsch. Ja wir sind uns bewusst dass das eigentlich russische Kohlsuppe ist, wir haben diesen Namen trotzdem genommen.
Die Geschichte beschreibt den Verlauf dieses „Ferienereignis“ aus der Sicht der gefangenen Kröte.



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